Der unhistorische Karfreitag

Der unhistorische Karfreitag

In unserer Lokalzeitung, dem Main Echo, erschien am 28.03.2018 (Mittwoch vor Karfreitag) folgender Beitrag (zum lesen Anklicken):

Dabei wird mit unbelegten Behauptungen und nicht tragfähigen Argumenten versucht, die Historizität der Passionsgeschichte zu verneinen und den Sinn des Karfreitags für den Menschen von heute umzudeuten. Dem widersprach ich in einem Leserbrief, der am 11. April veröffentlicht wurde. Hier die gedruckte Fassung (zum Lesen anklicken):

Die veröffentlichten Leserbriefe sind leider auf ca. 2000 Zeichen limitiert, so dass mein ursprünglicher Leserbrief gekürzt werden musste. Diesen habe ich daher im Folgenden in voller Länge angefügt.

Ist es sinnvoll in einem Beitrag gegen „wilde Theorien“ selbst derartige aufzustellen? Kaum, weshalb ich die inhaltlichen Fehler korrigieren möchte.

Zunächst ist es nicht unwahrscheinlich, dass Jesus einige Stunden nach der Kreuzigung starb. Er ist bereits physisch als auch psychisch stark geschwächt. Die Getsemani-Episode (Lk. 22,44) verdeutlicht die seelische Belastung. Er wurde bereits während des Verhörs vor dem Hohepriester körperlich misshandelt (Mk. 14,65; LK 22,63f). Die anschließende Geißelung mit dem Flagrum sorgte für hohen Blutverlust, vor allem, wenn die Anzahl der Schläge nicht begrenzt war. Man reichte den Verurteilten zum Ausgleich des Flüssigkeitshaushaltes und zur Verlängerung ihres Lebens etwas zu trinken, was Jesus ablehnt (Mk. 15,23). Anschließend misshandelten ihn Römische Soldaten abermals (Mk. 15,16f). Dass Jesus an der Grenze der körperlichen Belastbarkeit stand, wird dadurch verdeutlicht, dass Simon sein patibulum (den Querbalken) tragen musste (Mk. 15,21; Lk. 23,26). Sollte der Tod möglichst lange hinausgezögert werden, fesselte man die Verurteilten ans Kreuz. Jesus aber wurde angeschlagen. Dass man aufgrund des nahenden Hochfestes kein Interesse am langen Weiterleben der Gekreuzigten hatte, wird ausdrücklich gesagt, da man sie vor Beginn des Festes abhängen wollte (Joh. 19,31).

Die Beine brach man den Opfern nicht, um sie am Weglaufen zu hindern. Wie sollte jemand weglaufen, dem starke Nägel durch Hand- und Fußwurzelknochen in massives Holz getrieben wurden und der unter Bewachung stand? Man brach sie, um ein Abstützen des Opfers zu verhindern, welches das Atmen erleichtert. Somit beschleunigte man den Tod, machte ihn aber nochmals schmerzhafter. Daher wurden auch die Soldaten zu Jesus geschickt (Joh. 19,31f).

Gerade weil die Toten normalerweise für Aasfresser hängen blieben und nicht ehrenvoll nach jüdischem Gesetz begraben wurden, wird in allen Evangelien herausgestellt, dass ein Mann mit hoher Stellung um den Leichnam bittet, diese Bitte auch tatsächlich gewährt bekommt (Mk. 15,42f; Joh. 19,38f) und ihn gesalbt, in Leinen gewickelt in einem neuen Felsengrab beisetzt (Lk. 23,53, Joh. 19,38-41). Dies spricht für die Glaubwürdigkeit des Berichtes, nicht dagegen.

Markus (Mk. 16,9), Matthäus (Mt. 28,9) und Johannes (Joh. 20,14f) bestätigen alle, dass Jesus zuerst den Frauen erschien. Beeindruckend, wenn man bedenkt, dass Frauen zu dieser Zeit nicht einmal das Recht hatten als Zeuge vor Gericht aufzutreten! Selbst Paulus, der nicht gerade für Lobeshymnen auf Frauen bekannt ist, verneint diese Erscheinungen in 1. Kor. 15,4 nicht. Er schreibt lediglich, dass Jesus Petrus erschienen ist, ohne sich darauf zu fixieren, dass dies die erste Erscheinung gewesen sei. Dass er die Frauen einfach nicht erwähnt, passt zu all seinen restlichen Schriften und auch ins Frauenverständnis seiner Zeit.

Die Aussage über die Entstehungszeit der Kreuzigungsberichte („weit nach dem angenommen Zeitraum“) ist so tendenziös wie falsch. Angesprochener Brief an die Korinther, der Kreuzigung, Tod und Auferstehung Jesu als Fakten behandelt (1. Kor. 15,3 – 8), wurde nach Mehrheitsmeinung in den Jahren 50/51 n.Chr. verfasst. Dies sind keine 20 Jahre danach. Das Markusevangelium, welches selbst von der historisch-kritischen Schule auf 68 -72 n.Chr. datiert wird, ist ebenfalls nicht „weit“ entfernt, sondern liegt noch in der Lebensspanne einiger Zeitzeugen. Damit sind sie näher an den Ereignissen, die sie beschreiben, als andere antike Quellen, die sich auch gegenseitig noch stark widersprechen (Hannibals Alpenüberquerung, Biographien Alexanders des Großen).

Der Artikel steckt also so voller tendenziöser und falscher Aussagen, dass es mir teilweise schwer fiel den Brief sachlich zu halten. Somit kann ich durchaus nachvollziehen, dass bei einem anderen Leserbriefschreiber zum gleichen Artikel in derselben Ausgabe der Zeitung die Wortwahl sehr hart ausfällt:

Ein Medienhaus, das auf seiner Titelseite in der Karwoche über die wesentlichste Glaubensaussage der Christenheit berichtet, sollte sich dazu einen Redakteur auswählen, der selbst glaubt und der noch eine Ahnung von dem hat, was Glauben heißt. Der wirklich glaubende Leser erkennt sofort, dass in diesem Artikel willkürlich die verschiedensten Klischees gegen den christlichen Glauben zusammengewürfelt wurden, um den authentischen Glauben massiv anzugreifen.
Das falsche Geplapper fällt jedoch auf das Medienhaus zurück und lässt die antikirchliche Grundhaltung der Redaktion deutlich werden.

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